Erfahrungen einer Frau, die als Kind von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde
Autorin: Dagmar Winkler-Steidl
"Ich war glücklich. Bis ich bemerkte, dass mein Mann mich wieder betrogen hatte. Diesmal zeugte er dabei sogar ein Kind. Diese tiefe Verletzung und der damit verbundene Schmerz schickten mich ein allerletztes Mal in die Finsternis. In der Dunkelheit begegnete ich meinem toten Vater. In mir wurde er plötzlich wieder lebendig. Erst im Alter von 41 Jahren erkannte ich, wozu er wirklich fähig gewesen war. Ich hatte ihn Schritt für Schritt, Episode für Episode durch die Männer kennen gelernt, die ich zu lieben glaubte. Es waren viele. Die meisten von ihnen hatten eine zwiespältige Persönlichkeit und eine triebhafte Sexualität. Wie mein Vater, der nach außen nahezu perfekt erschien, meine Mutter ehrte und schätzte. Wir waren eine heile, großbürgerliche Familie. Scheinbar! Jahrelang hatte mein Vater mich missbraucht. Doch es blieb unser Geheimnis. Seine Taten hatten Auswirkungen auf unser gesamtes Familiensystem. Endlich können diese alten Wunden heilen und die kranken Mechanismen in Ordnung gebracht werden. Dieses Buch ist meine wahre Geschichte über die Offenlegung familiärer Verstrickungen, deren Prägungen und die Befreiung daraus."
Der Autorin ist das widerfahren, was Millionen von Ehefrauen auch passiert. Sie wurde jahrelang von ihrem Mann betrogen. Sie schaute weg oder verzieh ihm. Bis eines Tages ein Kind aus einer dieser Affären hervorging. Dieser Schmerz war schlimmer als alles, was sie bisher kannte.
Das Wunder dieser wahren Geschichte ist, was dieser Schmerz bei ihr und ihrer Umgebung in Bewegung brachte. Was unendlich weh tat, setzte Energien frei, die als ersten Schritt dunkle Familiengeheimnisse ans Licht brachte. Der Mythos um den verstorbenen Vater löste sich auf. Nach 41 Jahren erkannte Dagmar plötzlich, wozu der vermeintliche Über-Vater wirklich fähig gewesen war. Diese Erkenntnis brachte fehlgeleitete familiäre Mechanismen endlich in Ordnung. Heilung wurde dadurch überhaupt erst möglich. Dieses Buch ist eine wahre Geschichte über ein krankes Familiensystem und daraus resultierende, immer wiederkehrende Muster. Aber es ist auch eine Geschichte über die Schönheit des Lebens und die ermutigende Hoffnung für alle Betrogenen und Suchenden.
Dagmar Winkler-Steidl breitet schonungslos ehrlich ihr Leben vor dem Leser aus: Enttäuschung, Hoffnung, Tränen, Liebe, Perversion, Verzweiflung, Freude, Grausamkeit – in Tagebucheinträgen und Briefen fühlen wir mit der Autorin, die über ihre geistige und körperliche Entwicklung gleichsam ein halbes Leben lang Protokoll führte. Der Betrug an ihr als Ehefrau lässt sie noch einmal zurückkehren in die dunklen Abgründe des Schmerzes. Und genau dort, in der vermeintlich tiefsten Finsternis, wartet die Erleuchtung, die endlich Erlösung bringt. Die Erkenntnis, welche Spiele ihr Vater – ein geachteter und erfolgreicher Geschäftsmann – in ihrer Kindheit tatsächlich mit ihr gespielt hatte, lässt ihre Beziehung zu Männern plötzlich in einem klaren Licht erscheinen.
In sechs Kapiteln fiebern wir mit der Erzählerin mit, die ihre intimsten Geheimnisse Preis gibt.
Sie beschreibt den Betrug, den sexuellen Missbrauch an ihr und die Erkenntnis daraus. Sie öffnet ihre Gefühlswelt und erzählt über ihre erste Beziehung zu einem um 23 Jahre älteren Mann. Er schlägt sie, statt sie zu streicheln. Trotzdem bleibt sie über sechs Jahre lang mit ihm zusammen. Sie beschreibt ihre Männerbeziehungen und entdeckt immer wieder das Muster, sich zu zwiespältigen Persönlichkeiten mit triebhaftem Sex hingezogen zu fühlen. Die Autorin öffnet außerdem den Briefverkehr mit ihren Eltern, die immer wieder rücksichtslos ihre Grenzen überschreiten. Doch die Erzählerin beschreibt eindrücklich, wie sie sich aus allen Zwängen befreite. Dieses Buch behandelt kein Einzelschicksal, sondern es ist eine Einladung an alle, in ein neues Leben aufzubrechen und in eine neue Zeit.
Dagmar Winkler-Steidl, geboren 1968 in Innsbruck, ist diplomierte Shiatsu-Praktikerin und Mutter zweier Söhne. Nach der Matura war sie einige Jahre Grafikerin in einer großen Wiener Werbeagentur. Auf dem Weg zur Autorin schrieb sie als Journalistin zahlreiche Artikel für Tageszeitungen und Wochenmagazine. 2009 ließ sie sich nach neun Jahren Ehe von ihrem Mann scheiden.
"Dieses Buch ist ein Seelendolmetscher – Unaussprechliches wird spürbar, nacherlebbar und dadurch bewältigbar.Die Autorin vermag durch die Authentizität ihrer Darstellung zu berühren, zu fesseln und Hoffnung zu verleihen. Am Ende der Lektüre bleiben Kraft und Zuversicht zurück und die Gewissheit, dass am Schmerz nicht zerbrochen werden muss. Dagmar Winkler-Steidl ist mit ihrem Buch das Licht am Ende des Tunnels." (Dr. Merith Streicher, Erziehungswissenschaftlerin und Heilpädagogin, Wien)
Warum hatten wir Sex, Vati? 11
Kapitel I: Betrug, Missbrauch, Erkenntnis 14
Kapitel 2: Erste Beziehung, Vaterersatz 37
Kapitel 3: Briefverkehr mit meinen Eltern 54
Kapitel 4: Männer, Männer, Männer 70
Kapitel 5: Wege zur Heilung 94
Kapitel 6: Vaters Tod 107
Epilog: Neues Leben, neue Zeit 127
Bücher, die mich begleitet haben 131
Warum hatten wir Sex, Vati?
Als ich meinem Vater diese Frage zum ersten Mal stellte, war ich 41 Jahre alt und er, mein Vater, war bereits seit elf Jahren tot. Er begegnete mir im Traum – wie schon viele Male zuvor. Doch diesmal fand unsere Begegnung unter anderen Vorzeichen statt. Dass ich von meinem Vater in meiner frühen Kindheit sexuell missbraucht worden war, war mir zu diesem Zeitpunkt erst vor kurzem bewusst geworden. Diese schmerzvolle Gewissheit war aus mir hervorgebrochen wie aus einem Vulkan. Einem Vulkan, der jahrzehntelang nach außen hin scheinbar inaktiv gewesen war. Dabei hatte es in mir gebrodelt, seit ich denken konnte. Das Tagebuchschreiben war in vielen Phasen meines Lebens der Lavastrom meiner Gefühlsausbrüche gewesen. Dort schrieb ich um dieses zentrale Ereignis, dieses bedrohliche Familiengeheimnis herum. Immer im Kreis. Wie die sprichwörtliche Katze schlich ich um den heißen Brei. In Schüben versuchte ich mich mit dem Schreiben selbst zu therapieren, obwohl ich nicht einmal wusste, was zu therapieren sei. Ich schrieb, was aus mir herauskam. Ich verstand es oft nicht. Deshalb stellte ich weitere Fragen. Wenn ich es wagte, damit aus mir heraus zu gehen, stieß ich zumindest in meinem familiären Umfeld auf Unverständnis. Ich musste mit dem Dunkel und der Einsamkeit in mir leben. Denn meine Familie hatte mir die Rolle des Sonnenscheins zugedacht. Diese Rolle wollte ich brav spielen. Ich wähnte mich ja selbst als Teil einer heilen Familie. Es war ein Tanz auf dem Vulkan.
Nachdem der Missbrauch in mein Bewusstsein gedrungen war, führte ich im Traum ein Zwiegespräch mit meinem Vater.
„Warum hast du das getan, Vati?“
„Was getan?“, fragte er.
„Warum hast du mich benutzt, wann immer du wolltest? Und warum hast du mich dann wieder weggelegt, wann immer es dir gepasst hat? Warum hast du mich wie eine Ware behandelt, warum hast du meine Weiblichkeit so tief verletzt?“
Seine Antwort war überraschend lapidar: „Ich habe doch nur mit dir herumgespielt. Du warst so süß und lieb. Du hast mir so gutgetan. Das ist doch nichts Schlimmes?“
„Nichts Schlimmes? Mein ganzes Leben habe ich mich gefragt, warum Männer so mies mit mir umgehen durften. Ich habe mich verschenkt, mich oftmals wie den letzten Dreck behandeln lassen, weil ich es so gewohnt war. Es steckte so in mir drin. Ich konnte gar nicht anders handeln. Und jetzt weiß ich endlich, woher mein verkorkstes Männerbild kommt!“
Da sank Vati wie ein alter Mann zurück in seinen Sessel. Ich sah ihm an, dass er geknickt war, fassungslos, nachdenklich. Er atmete tief aus und sagte lange nichts. Dann sprach er leise und ernst: „Es tut mir leid. Ich wusste nicht, dass die Folgen so gravierend sein und dass sie dich ein Leben lang verfolgen würden.“
Dann wiederholte ich, was ich in unseren traumhaften Begegnungen immer wieder getan hatte: Ich streckte Vati meine Arme entgegen. Ich hielt sie zum Himmel. Diesmal schloss sich der Kreis. In all den Jahren nach seinem Tod hatten sich unsere Hände, obwohl wir uns beide bemühten, nie erreicht. Diesmal hielten wir uns fest.
Heute ist mir klar, dass das unsere erste wahrhaftige Begegnung war. Mein Vater hatte sich mir zugewandt, er hatte endlich zugehört. Es fand ein Dialog statt. Zu seinen Lebzeiten waren unsere Gespräche Einbahnstraßen. Jeder fuhr verbal in seine Richtung. Er hörte nicht einmal hin, wenn ich ihm etwas erzählte. Nur sein Wort zählte. Er sprach und ich hatte zu folgen. Unsere Gespräche waren zweckgebunden. Mein Vater hatte mir stets mit all seinem Gesagten, wenngleich auch sehr subtil und oft in schmeichelhaft verpackter Form, folgende Merksätze eingeschärft: Tu, was ich dir sage und es wird uns allen gut gehen! Wenn du meinen Anweisungen nicht folgst, dann trägst du Schuld, dass der Haussegen schief hängt.
Dadurch wurde ich, was meine innersten Bedürfnisse betraf, innerhalb meiner Familie schon von Beginn an in eine Art Sprachlosigkeit getrieben. Meine Verletzungen bahnten sich nonverbal den Weg nach außen. Doch mein Umfeld erkannte diese Missbrauchssymptome nicht, oder wollte sie nicht erkennen. Mein Bettnässen und meine Appetitlosigkeit hatten zur Folge, dass meine Mutter mit mir diverse Ärzte aufsuchte, die ihr alle versicherten, dass organisch mit mir alles in Ordnung sei. Meine Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten in der Volksschule – ich verweigerte das Lesen- und Schreibenlernen, wollte wieder ein Baby sein, verlangte einen Schnuller – wurden ignoriert. Meine Essstörungen im Gymnasium – ich erbrach phasenweise so gut wie alles – brachten mich zur Magenspiegelung. Doch mein Körper, so machten die Mediziner wieder glaubhaft, war gesund.
Als junge Frau wurde mein Interesse für Spirituelles am elterlichen Mittagstisch milde belächelt. Ich stieß mit meinen Themen auf taube Ohren. Dieser Umstand trieb mich in ein Doppelleben: die Tochter, die daheim den Anforderungen entsprach und die, die außer Haus das lebte, was sie daheim nicht fand. Die Wirklichkeit meiner Familie hatte mit meiner nichts gemein.
Zum Glück manifestierte sich diese erschütternde Erkenntnis bei mir nicht in Handlungsunfähigkeit. Im Gegenteil. Ich begab mich allein auf die Suche nach der Quelle meiner tiefen Traurigkeit. Ich besuchte Seminare, die sich mit alternativen Heilmethoden, Naturphänomenen und geistiger Wahrnehmung auseinandersetzten. Auch in der Malerei fand ich einen Weg, mich auszudrücken.
Vor allem aber in meinen Beziehungen zu Männern setzten sich die Muster meiner frühkindlichen Missbrauchserlebnisse fort. Dieser inneren Hölle entfloh ich durch mein regelmäßiges Schreiben. Heute glaube ich, dass ich ohne meine Tagebücher nicht überlebt hätte. Denn dort durfte mein innerer Vulkan ungehindert ausbrechen. Das Unsagbare konnte gesagt werden.
So schrieb ich im Stillen gegen die Isolation, gegen die Fremdheit in meiner eigenen Familie an. Nach außen musste ich oft schweigen, weil mir nicht die Freiheit gegeben wurde, meiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Es galt das Prinzip: Was nicht bewiesen ist, kann auch nicht sein. Sich damit zu beschäftigen, ist daher reine Zeitverschwendung und letztlich lächerlich. Dabei hielt ich in meinen Tagebüchern und Briefen fast krampfhaft das Ideal meines Vaters, also das Bild des energiegeladenen, spendablen, charismatischen Familienoberhaupts, hoch. Und doch, so merkte ich selbst nach der Lektüre meiner gesamten Aufzeichnungen, hatte ich mit jeder Zeile unbewusst an der Fassade dieses Denkmals gekratzt. Schicht für Schicht musste in mühevoller Kleinarbeit abgetragen werden, manchmal bewusst, manchmal unbewusst, meist aber von der göttlichen Energie, die allem Leben innewohnt, getragen. So begab ich mich beim Schreiben immer wieder auf die Suche nach dem Sein, nach meinem wahren Ich. Das war mein Selbsterhaltungstrieb.
Nach über 20 Jahren brach der Schmerz endgültig aus mir heraus. Er war in jeder einzelnen Zelle meines Körpers gespeichert. Ich erkannte das, als ich meine Tagebücher wiederentdeckt hatte, sowie die Briefe an Mami und Vati. Alles war wieder da. Was ich niedergeschrieben hatte und damals nicht verstand, lag jetzt wie ein offenes Geheimnis vor mir. Das war der Beginn des Arbeitsprozesses, der in diesem Buch mündet. Ich hatte nie vor, meine Befindlichkeit in dieser Form zu veröffentlichen. Dafür waren die Dinge, die ich schrieb, viel zu persönlich und viel zu intim. Aber ich spürte, dass es hier nicht nur um mich ging.
Meine Geschichte ist kein Einzelfall, sondern vielmehr eine exemplarische. Millionen von Frauen durchleben jene Grausamkeiten, die auch mir widerfuhren. Jede auf ihre Weise – Steigerungsformen der Bösartigkeiten und der exzessiven Gewalt existieren für mich nur im voyeuristischen Boulevard.
Es ist an der Zeit, diese Spirale der patriarchalischen Gewalt zu durchbrechen. Meine Aufzeichnungen sollen Bewusstsein schaffen, Mut machen hinzusehen. Ich glaube fest daran, dass jeder Missbrauch heilbar ist. Auch wenn es unmöglich scheint, diesen ohnmächtig machenden Schmerz zu lindern.
Ich bin kein Opfer mehr. Deshalb konnte ich dieses Buch schreiben.
Erscheinungstermin: 8. März 2010
Umfang: 132 Seiten
Format: 14 x 22 cm
Ausstattung: Paperback
ISBN: 978-3-902647-28-3
Ladenpreis: EUR 17,90 [D], EUR 18,40 [A]
Wien LIVE, April 2010: Interview mit Dagmar Winkler-Steidl, "Ich war sein liebes Mausi".
Furche, 18. März 2010: Interview mit Dagmar Winkler-Steidl, "Ich bin kein Opfer mehr"
23. Februar 2010: 19.25 Uhr Puls 4; 20.00 Uhr Sat 1 Austria.
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Montag, 17. Mai 2010
20.00 Uhr, Grandhotel Sauerhof, Weilburgstraße 11-13, Baden bei Wien: Benefizlesung mit anschließender Podiumsdiskussion, Zonta Club Baden-Baden.
Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema „Missbrauch in der Familie“:
Dr. Gabriele Schubert – Rechtsanwältin, Präsidentin Zonta Club Baden-Area
Gina Zaussinger, die Leiterin und Koordinatorin Stützpunkt Undine – Frauen für Frauen
Karin Glanzner – „Balance your life“, personenzentrierte Beratung, Zontamitglied
Dagmar Winkler-Steidl – Autorin, im Namen der vielen Missbrauchsopfer
Mittwoch, 12. Mai 2010
Thaliastrasse 12, Wien, in der Galerie Heinrich: Benefizveranstaltung des Vereins Opferoffensive. Ab 18.00 Uhr Buchpräsentation mit Dagmar Winkler-Steidl
Freitag, 7. Mai 2010
19.30 Uhr, College-Garden Hotels, Bad Vöslau