Bitterzucker von Michael Ehrreich
Bitterzucker von Michael Ehrreich

Bitterzucker – Diabetes, Dialyse, Transplantation

Als die Ärztin zurückkam und die Infusion anlegte, fragte er sie, wann er wieder nach Hause dürfe. Mit diesen Zuckerwerten lasse sie ihn gewiss nicht nach Hause, eine Insulin-Neueinstellung sei dringend erforderlich. 

Erscheinungstermin: Oktober 2009 (2. Auflage) | 1. Auflage: Februar 2008
Umfang: 112 Seiten
Format: 14 x 22 cm
Ausstattung: Paperback
ISBN: 9783950235746

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ISBN eBook: 978-3-902647-59-7

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Als die Ärztin zurückkam und die Infusion anlegte, fragte er sie, wann er wieder nach Hause dürfe. Mit diesen Zuckerwerten lasse sie ihn gewiss nicht nach Hause, eine Insulin-Neueinstellung sei dringend erforderlich. Louis versuchte abermals, gegen die Inhaftierung, wie er es nannte, anzugehen. Doch die Ärztin bestand auf seiner stationären Aufnahme. Ob er nicht wisse, dass das mobile Messgerät bei seiner Blutprobe überhaupt keine Werte mehr anzeigen wollte und das Labor soeben einen Blutzuckerwert von 1110 Milligramm pro Deziliter durchgegeben habe. Normalerweise, so die Ärztin, bedeute schon ein Glukosewert von 700 Milligramm Lebensgefahr. Louis versuchte zu lachen, als er ihr entgegnete, dass er mit 700 noch auf Partys gegangen sei.

Krankheit ist, auch in Zeiten der modernen Medizin, ein Schicksal, das man sich nicht aussuchen und dem man sich noch weniger entziehen kann.

„Bitterzucker“ schildert das Erleben eines jungen Mannes, der von einem Nierenversagen als Folge eines Diabetes mellitus überrascht wird. Der Blickwinkel des Buches ist nicht medizinisch, sondern der des Betroffenen. Es geht um Freunde, Liebschaften, Bekannte, die Arbeit, die Leistungsfähigkeit, Vertraute – also das soziale Bezugsfeld, die Koordinaten des Lebens, und wie sie sich durch die Erkrankung verschieben.

Der Held des Geschehens klagt nicht, er sucht vielmehr Lösungen und Wege zu einem halbwegs normalen Leben für jemanden, dessen Nieren versagt haben und der die Dialyse benötigt, um zu überleben. Die Medizin steht im Hintergrund und wirkt zwar schicksalhaft bestimmend, aber die größten Probleme ergeben sich aus der Organisation des Lebens. Man ist mit dem Autor überrascht, welche Hindernisse sich aufbauen und wie gering das Verständnis und die Verständnisbereitschaft von Freunden für die neue Situation sind. Der Tenor ist deshalb keineswegs depressiv, trotz der nach wie vor ungünstigen Überlebensaussichten eines dialysepflichtigen niereninsuffizienten Diabeteskranken, was durchaus erwähnt wird.

Vielmehr schiebt der Held des Geschehens dieses Wissen in den Hintergrund. Auch die zusätzlich bestehenden Diabetesfolgen der Nerven und des Augenhintergrundes werden mehr als Hindernisse denn als Krankheiten erlebt und finden eher beiläufig Erwähnung. „Bitterzucker“ stammt aus unserer Gegenwart, der Verfügbarkeit des Internets, der Chatrooms und der sozialen Beziehungen, die sich dort anbahnen können. Bedürfnisse, Sehnsüchte und Phantasien eines jungen Menschen sind das Thema, und dies entfaltet die Spannung einer Story.

Die Geschichte hat auch eine medizinische Lösung anzubieten und damit die Perspektive einer wiedergewonnenen Normalität. Die mit der Transplantation verknüpften ethischen Aspekte werden thematisiert und erlauben einen Einblick in ein Thema, das jeden betreffen kann – als Spender.

Das Buch wendet sich mit Hinweisen und Problemlösungen aber auch an Dialysepflichtige.

Als Arzt war ich erstaunt, wie lange Louis Seneks, der Held des Romans, die Risiken seiner Erkrankung unterschwellig ausgeblendet hat, bis das eben nicht mehr länger ging. Dass ein Diabetes bei sorgfältiger Führung keineswegs so verlaufen muss, wie das in „Bitterzucker“ der Fall ist, sollte nicht unerwähnt bleiben, um Missverständnisse und Ängste neu Erkrankter zu vermeiden.

Ärzte können aus der Geschichte sicher ebenso viel Verständnis für ihre Patienten gewinnen wie Gesunde und dadurch vielleicht einiges von ihrer Scheu im Umgang mit krankheitsbedingten Behinderungen verlieren.

Andreas F. H. Pfeiffer

Prof. Dr. med. Andreas F. H. Pfeiffer ist Professor für Innere Medizin an der Charité Universitätsmedizin Berlin und Direktor der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin am Campus Benjamin Franklin in Berlin sowie Leiter der Abteilung für Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung – Potsdam Rehbrücke in Nuthetal.
Telefon: +49 (0)30 / 8445-2114
E-Mail: diabetes@charite.de
Internet: www.charite.de/endo

Leserstimmen

„Man hat beim Lesen das Gefühl, neben Louis zu stehen und alles mitzuerleben. Selten hat mich ein Buch zu diesem Thema von Anfang so gefesselt, dass ich es bis zum Ende lesen musste, bevor ich es weglegen konnte.“ (Andreas Müller, BdO, FB Niere/Pankreas-TX)

„Bitterzucker, Diabetes, Dialyse, Transplantation ist mit Abstand das beste Buch, das ich je zu diesem Thema gelesen habe!! Ich denke, dass Bitterzucker zur Pflichtlektüre von Ärzten, Pflegenden, Mitarbeitern von Krankenkassen und Diabetikern, die ‚ein bisschen Zucker‘ haben, werden sollte. (Nadine Stohler, CEAPIR)

Michael Ehrreich

Michael Ehrreich, Jahrgang 1968, studierte in Salzburg Germanistik und Publizistik und war unter anderem als Journalist tätig. Nach einem Forschungsaufenthalt im Nachkriegs-Zagreb verschlug es ihn als Kommunikationsfachmann nach Graz, wo er durch die Bekanntschaft mit Nierenleidenden Erfahrungen mit Diabetes, Dialyse und Transplantation sammelte. In "Bitterzucker" beschreibt er feinfühlig und detailliert, was es bedeutet, neben der vollen Gesundheit auch den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren.

 

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