Autorin: Ursula Dorn
Lektorat: Dr. Heike Wolter
Kommentare von PD Dr. Winfrid Halder
Band 1: Ich war ein Wolfskind aus Königsberg
Band 2: Das Wolfskind auf der Flucht
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Wir wussten ja überhaupt nichts von der übrigen Welt oder was außerhalb von Litauen los war, oder ob es überhaupt noch was anderes als Litauen gab. Jahreszahlen, Monate, Tage oder ein Zeitgefühl gab es für uns nicht. Wir waren halt keine Menschen mehr, nur noch Wolfskinder, die sich im Kreis drehten oder umherliefen. Manchmal sagte ich zu meiner Mutter: „Mutti, was soll bloß aus uns werden. Ich kann nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen und nicht mehr richtig Deutsch sprechen.“ - „Ich weiß es auch nicht, wie das mal enden soll. Wären wir doch bloß alle krepiert, dann brauchten wir das nicht mehr miterleben.“ Weinend gingen wir oftmals durch die Gegend und waren am Ende, aber wir rafften uns immer wieder auf.
Über sechs Jahrzehnte sind vergangen, bis die 1935 in Königsberg (Ostpreußen) geborene Ursula Dorn den Mut fasste, das zu erzählen, was sie als 10jähriges Kind erfahren musste.
Sie lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von Göttingen. In ländlicher Abgeschiedenheit hat sie die Ruhe gefunden, ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg zu bewältigen.
Die Erinnerungen an ihr Dasein als Wolfskind hat sie in einer packenden Geschichte verarbeitet.
Wie hungrige Wölfe schlugen sich nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges deutsche Kinder durch Polen und Litauen, um sich selbst am Leben zu erhalten oder mit ihren Bettelzügen das Nötigste für ihre Familien zu finden. Von einer behüteten Kindheit war nichts zu spüren. Elend und Angst prägten die Entwicklung der Kinder.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs, nach der Einnahme Ostpreußens durch sowjetische Truppen 1945, fanden Kinder oft ihre Familien nicht mehr wieder oder Mutter und Vater waren verhungert, vertrieben oder ermordet worden. Sie waren auf sich allein gestellt.
Die historische Forschung geht von etwa 25.000 solcher Kinder aus, die allein oder in kleinen Gruppen durchs Land zogen. Etwa 5.000 von ihnen gelang die Flucht nach Litauen. Dort wurden sie meist von den Litauern für einige Zeit mit versorgt. Doch nur kleine Kinder, die sich ihrem neuen Leben rasch anpassten, Litauisch lernten und ihren deutschen Hintergrund vergaßen, blieben dauerhaft in den Familien. Alle anderen wurden, nachdem man sie eine Zeitlang aufgenommen, aber auch als billige Arbeitskräfte eingesetzt hatte, weiter geschickt. Dies geschah vor allem aus der eigenen Not und der Angst heraus, von sowjetischem Militär gestellt zu werden. Dann drohte nämlich die Deportation der eigenen Familie.
Viele Wolfskinder sind auf ihren Wanderungen ums Leben gekommen – verhungert, entkräftet, erschlagen. Andere blieben in Litauen, bauten sich dort ein Leben auf. Wieder andere – etwa 200 – siedelten nach Deutschland um. Oftmals mit dem Lebensmotto: ‚Sei froh, dass du lebst; vergiss, was war; schau nach vorn!’
Nur vorsichtig suchen sie nun nach den Spuren ihrer Identität. Das Zurückblicken aber ist es, was dieser ‚vergessenen Generation’ (Sabine Bode), die zwischen allen Fronten stand, helfen könnte.
Das hat auch die Autorin, Frau Dorn, erkannt, wenn sie schreibt, sie habe sich mit diesem Buch alles ‚runtergeschrieben’.
Heike Wolter (Lektorat)
Erscheinungstermin: November 2008 (2. Auflage)
Umfang: 172 Seiten, 6 Farbtafeln
Format: 14 x 22 cm
Ausstattung: Paperback
ISBN: 978-3-902647-09-2
Ladenpreis: EUR 19,90 [D], EUR 20,50 [A], CHF 35,50 [CH]
Lesungen
21. April 2010, 19.00 Uhr: Lesung in Schmölln / Thüringen, Stadtbibliothek Schmölln, Markt 42/43
14. April 2010, 19.30 Uhr: Lesung im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg, Ritterstr. 10, 21335 Lüneburg, Tel. +49 (0)4131 75 99 50
18. Februar 2010, 19.00-21.00 Uhr: Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek, Herne
2. März 2009, 19:00 Uhr: Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Düsseldorf, Lesung mit Ursula Dorn, "Ich war ein Wolfskind aus Königsberg". Informationen als PDF
Rezensionen
Im Winter fanden wieder die Zirkelabende von der FDJ statt. Aber die meisten Dinge dort berührten mich überhaupt nicht, so zum Beispiel Marx und Engels, Liebknecht und Luxemburg, Lenin und Stalin. Ich hatte andere Sorgen: Wie überleben wir das alles, war meine wichtigste Frage.
Von mir wollten die Anderen oft wissen, was ich in Königsberg und Litauen erlebt hatte. Manchmal habe ich gesagt, dass ich nicht immer darüber sprechen kann, weil all die furchtbaren Erinnerungen wieder in mir hochkamen und ich alles nachts wiedererlebte. Aber ich schwieg auch aus einem anderen Grund: Es war offiziell verboten, über ‚Flüchtlinge’, ‚Heimatvertriebene’ oder gar ‚Wolfskinder’ zu sprechen. Der Staat bezeichnete uns als ‚Übersiedler’ und betonte, dass wir freiwillig in die DDR gekommen seien.
Nach ihrem Buch „Ich war ein Wolfskind aus Königsberg“ berichtet die 1935 in Königsberg (Ostpreußen) geborene Ursula Dorn nun über die Fortsetzung ihrer tragischen Geschichte. Dem Krieg entronnen bleibt sie auch in der DDR fremd und nutzt 1953 die Chance zur Flucht in die Bundesrepublik. Doch auch im „goldenen Westen“ ist das Leben als Flüchtling äußerst beschwerlich. Durch ihre zupackende Art gelingt es Ursula allen Schwierigkeiten zum Trotz, sich nach vielen harten Jahren eine glückliche Existenz aufzubauen. Das Wolfskind „Ulla“ kommt als junge Frau endlich wirklich in dem von ihr ersehnten Leben an.
Erscheinungstermin: vorauss. Juli 2010
Umfang: ca. 152 Seiten, 15 Farbtafeln
Format: 14 x 22 cm
Ausstattung: Paperback
ISBN: 978-3-902647-30-6
Ladenpreis: EUR 19,90 [D], EUR 20,50 [A], CHF 35,50 [CH]