Wildes Reisen – Der Pinzgauer Weltenbummler Gottlieb Eder reist in die Mongolei

Autor: Gottlieb Eder

Erscheinungstermin: November 2018
Umfang: 196 Seiten
Format: 15,5 x 22 cm
Ausstattung: Paperback
ISBN: 978-3-99082-011-7

 

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ISBN eBook: 978-3-99082-012-4

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Mongolei! Reiseprospekte und Internet-Recherchen versprachen unglaubliche Eindrücke in den endlosen Weiten der zentralasiatischen Steppe. Doch die Realität sieht anders aus: Das Hotel ist verwahrlost, und die stille Idylle der Jurtensiedlung außerhalb des Speckgürtels von Ulan Bator wird von penetrant stinkenden Plumpsklos ohne fließend Wasser geprägt.

Auf den Kulturschock im Moloch der Hauptstadt folgt das ersehnte Naturerlebnis, denn Gottlieb Eder macht sich gemeinsam mit seinen Reisegefährten auf den Weg Richtung sibirische Grenze. Rentiernomaden und unbegradigte Flüsse sind das Ziel für den passionierten Fliegenfischer. Dann jedoch geht es rasant bergab. Und zwar nicht nur im Landcruiser, sondern auch mit seinen Eingeweiden. Bis Gottlieb Eder eines Tages mutterseelenallein durch die Landschaft irrt und seine Körperfunktionen kaum noch aufrechterhalten kann.

Inhalt

Anreise … 6

Erlebnishotel … 14

Ulan Bator … 20

Nationalstolz … 32

Dschingis Khan … 38

Hammelsterben … 46

Gastfreundschaft … 56

Bauernopfer … 68

Steppensafari  76

Reiterspiele … 84

Winterlager … 92

Pferdetrecking … 100

Rentiernomaden … 110

Feuer … 126

Flussbefahrung … 130

Sternennacht … 138

Taimenprojekt … 142

Sishked Gol … 148

Schamanen … 154

Pestflöhe … 166

Khövsgöl Nuur … 169

Salmonellen? … 176

Rückflug … 184

Epilog … 191

Leseprobe

Anreise

Anreise

„Das Glück ist ein Schmetterling. Jag ihm nach, und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“ Diese Weisheit stammt von Anthony de Mello. Während ich darüber nachdenke, wie ich mich meinem mongolischen Schmetterling nähere, startet das Flugzeug.

Mein Fensterplatz macht mir nach dem Schließen des Sitzgurtes erst einmal die Unsicherheit technischer Flügel bewusst. Hoffnungsvoll rotieren die Turbinen, aber die blockierten Räder verhindern das Abheben. Unruhe löst das Warten nicht nur in meinem Kopfe aus. Viel Zeit verstreicht, ehe sich das verantwortliche Team zur Aufklärung der Passagiere durchringt. Ein massiver Brandherd bedroht eine Frachtmaschine im Anflug. Sämtliche Feuerwehren werden zur Rettung der Maschine an den Pistenrand dirigiert. Die Notsituation bedingt, dass jede Starterlaubnis rigoros verweigert wird.

Wenige Minuten später schiebt sich ein Fahrzeug mit einem auffallend großen Buckel am Bug, ähnlich der hohen Stirn von Delphinen, in den Blickwinkel meines Bullauges. Immens ist der Aufmarsch an zuckenden Blaulichtern. Vom Rumpf verhüllt sind die Feuerzungen. Dunkle Rauchschwaden dringen in Schüben aus einer undefinierbaren Stelle der Metallhaut. Näher rücken die Löschfahrzeuge dem Qualm. Allmählich legt sich sanft die Dämmerung über das Areal und verschmilzt mit dem Pulsieren der Rauchwolken. Viele gleißende Scheinwerfer ersetzen das weichende Naturlicht. Sie sorgen für ein fast taghelles Ausleuchten des Unfallortes.

Eine geschlagene halbe Stunde später kündigt der Pilot einen weiteren Aufschub des Startrituals an. Doch geduldig und mit Verständnis harren wir Fluggäste auf das erlösende Vibrieren der Triebwerke. Im Schneckentempo rollt unsere Maschine zu einer freigegebenen Startbahn und steht mit elf weiteren Flugzeugen im Halbkreis aufgereiht im Stau. Exakt im Intervall von zwei Minuten entlässt der Tower die Flugzeuge in den düsteren Himmel. Sanft kupiert ist die satte Wolkendecke. Sie erinnert mich an eine unendlich weitläufige „Buckelpiste“ auf nicht präparierten Skiabfahrten. Das zarte Himmelslicht betont eine Flanke der Formation. Abgrenzender Schatten nistet in den Mulden. Grautöne vernetzen den Kontrast. Am fernen Horizont schließt waagrecht ein Regenbogen an, der sich mit blassen Spektralfarben in das Blau des Firmaments verabschiedet.

Angesichts der Reisenden sinniere ich weiter: Das Halten von Hühnern in Legebatterien ist verboten. Dem durchschnittlich beleibten Menschen in Normalgröße jedoch muten die Flugzeugbauer erhebliche Belastungen auf Langstreckenflügen zu. Wirtschaftliche Interessen bestimmen den Abstand zwischen den Sitzreihen. Geld kommt vor Gesundheit. Gewitzte Reisende verstauen ihr Handgepäck im unbescheidenen Ausmaß von Koffern oder bauchigen Taschen rasch in der Ablage über den Köpfen. Platzmangel führt regelmäßig dazu, dass die Letzten ihre Utensilien mit Aufwand unter den Sitz quetschen müssen und sich so der eigenen Fußfreiheit berauben.

Neben mir in den Sitz hat der Prototyp eines Sumoringers seine Masse gezwängt. Er müsste wohl seine muskulösen Arme in die Höhe strecken, um mein Revier nicht in Beschlag zu nehmen. Ohne Gewissensbisse rammt er mir den Ellbogen in die Rippen und fällt alsbald in einen entspannten Schlaf. Meinen Widerstand scheint er nicht zu spüren. Sein Gaumensegel rasselt mit dem Sound der Turbinen um die Wette. Übergriffig behindert der Koloss meine Entfaltungsmöglichkeiten. Unbehaglich wärmend wirkt sein Körperkontakt. Auch die verströmten Pheromone sind kein Fest für meine Nase. Eingeengt finde ich kaum Platz zum Atmen.

Als Nächstes beschäftigt eine verpfuschte Vorsorge bezüglich möglicher Venenprobleme meine Gedanken. In bunten Bildern geistert die Panne vor meinen Augen. Vorbeugen ist ja bekanntlich besser als heilen. Das führte mich zwecks Informationsbeschaffung in die Ordination: „In deinem Alter und mit den frisch operierten Krampfadern“, meint ehrlich besorgt mein beratender Hausarzt und Freund, „würde ich auf jeden Fall der Gefahr einer Venenthrombose vorbeugen.“ Zur Verstärkung seiner Worte drückt er mir den Befund eines Berufskollegen in das Gewissen. Auf einem Langstreckenflug hatte den Mann eine Lungenembolie mit Komplikationen erwischt. Ausgelöst durch eine Thrombose des gesamten Beines. Verunsichert leiste ich mir gerne die kostbaren Spritzen. Der Anschauungsunterricht bezüglich der Nadelsetzung erweitert mein bescheidenes medizinisches Basiswissen. Versorgt mit einer minimalen Reiseapotheke verlasse ich beschwingt die Praxis.

Verdammter Yakmist! Ungeübt im Umgang mit Nadeln und Spritzen, vermurkse ich im schummrigen Licht des Klos ein erhebliches Volumen der Thromboseinfusion. Angesichts des langen Stechapparates quetsche ich eine dicke Gewebefalte auf dem linken Oberschenkel zusammen. Neuerlich ramme ich mir, diesmal mit mehr Mut, die Nadel bis zum Anschlag in das Fleisch und injiziere den Rest der Lösung. Total verunsichert durch die nicht einschätzbare Vergeudung der Vorbeugung suche ich das Erste-Hilfe-Zentrum auf. Geduldig hört sich die Frau mein Klagelied an und verweist mich zur Apotheke. Ohne Rezept verweigert mir die Belegschaft den Wunsch nach einer Ersatzspritze. Eine Schachtel voll Tabletten gegen Kopfschmerzen ist ihr alternativer Vorschlag.

Pferdetrekking

Unausgeschlafen, aber interessiert bis in die Haarspitzen verfolge ich die Aufteilung des Transportgutes auf die Lasttiere. Trotz der persönlichen Einschränkung und Verzicht auf jeglichen Komfort ist der Haufen unter der den Tau abweisenden Plane erschreckend mächtig.

Vor allem die Lebensmittel in wasserdichten Tonnen, ein Sack mit reichlich Kartoffeln, Schlafsäcke, Unterlagen und Zelte sowie die in Schutzhüllen steckenden Boote samt Paddel nehmen viel Platz ein. Oft heben die Mongolen auf einer Seite des Ristes die Last an. Genau beobachten sie das Austarieren des gegenüberliegenden Gepäckstückes am Drehpunkt des Holzsattels.

Meine Aufmerksamkeit ist durch das Packritual gefesselt. Das Aufsitzen ist der relativ leichte Einstieg zum Start der angedrohten langwierigen Schinderei für ungeübte Arschbacken. Zum Trainieren bleibt keine Zeit. Das Suchen nach einer erträglichen Sitzposition beschäftigt mein Gleichgewicht hoch zu Ross. Die empfohlene Unterhose für Radfahrer dämpft die Prellung des Gesäßes angenehm. Außerdem erhält sie die Funktion männlicher Organe. Bereits nach wenigen Pferdelängen führt uns der Dorfälteste quer über den Hangfuß steil bergauf.

Angeleint wie ein Hund folgt mein Schimmel brav dem Oberhaupt der Zsaatanfamilien ganz im nördlichen Eck des Aimag Khövsgöl – einer der 21 Verwaltungsprovinzen – unweit zur sibirischen Grenze. Das Sommerlager der Rentiernomaden ist das Ziel. Gleich einem Westernreiter sitzt der erfahrene Mann im spartanisch ausgeführten Sattel. Mit seiner linken Hand dirigiert er seinen Fuchs auf unkenntlichen Wegen Richtung Passübergang. Schneeflecken in der Ferne reflektieren das Licht. In seiner Faust hält er die Führungsleine, um mir als schmerzerfülltem Anfänger die Qualen der ersten Reitstunden zu verringern.

Der edle Schöpfungswurf der Pferde, ihre Ausdauer und Schnelligkeit haben mich schon in meiner Kindheit fasziniert. Aber nie verspürte ich das Bedürfnis, das Glück der Erde auf den breiten Rücken der Tiere auszuloten. Jahrzehnte später sitze ich, freiwillig gezwungen, in verkrampfter Haltung, eingezwängt in der Enge des mongolischen Sattels, auf einem Gaul mit mittlerem Stockmaß. Groß ist mein Vertrauen in meinen Vorreiter.

Die Anpassung an den Rhythmus des Pferdes ist anfangs ein schwieriger Lernprozess. Immer wieder versuche ich die Sitzposition zu verändern, die Druckstellen gerecht zu verteilen. Jede Gelegenheit nehme ich mutig war, um mich in die Steigbügel gestemmt aufzurichten. Meine Kniegelenke drückt der pralle Bauch des Tieres nach außen. Die Freiheit, so meine ich gemartert, liegt nur im abwechselnd gestreckten Bein. Jedes Stolpern meines Tragtieres erschreckt mich deshalb panisch. Ausgleichend wirft das Tier seinen groben Schädel zu Boden und reißt mir den ohnehin nur alibihalber gehaltenen Zügel aus der Hand. Festgekrallt an den hufeisenförmig gekrümmten Eisenbügel meines Sattels und an der struppigen Mähne sträube ich mich gegen die plötzliche Verlagerung des Schwerpunktes. Schleunigst versuche ich wieder mit der Fußspitze den Steigbügel zu fischen, um beim nächsten Straucheln gewappnet zu sein.

Missachtet haben die Pferdekenner leider die Rangordnung innerhalb der Reittiere. Ständig wird mein lahmer Hufträger von einem nachdrängenden, temperamentvolleren Tier grob in die Kruppe gebissen. Mein Pferd verdreht Kopf und Augen Richtung Täter. Mit flach angelegten Ohren prescht der Gepeinigte seitlich ins mannshohe Weidendickicht, um neuerlich vom Scout scharf in den alten Trott zurückgerissen zu werden. Einem verletzten Hunnenkrieger gleich hänge ich mit verdammt schlechten Haltungsnoten im Sattel. Nur einige Zotteln aus der struppigen Mähne retten mich vor dem blamablen Abgang. Fortan bedanke ich mich bei meinem Schimmel durch sprachliche Liebkosung. Belangloses Zeug schwatze ich dem Wallach vor. Mit der Regelmäßigkeit von Gebetsmühlen erwähne ich meine Namensgebung, und zwar „Schneeball“.

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Gottlieb Eder

Gottlieb Eder ist im Sternzeichen des Schützen geboren. Sein Fernweh liegt somit in den Sternen. Schwimmen, Tauchen, Raften und Fliegenfischen zählen zu seinen Steckenpferden. Im und am Gottlieb Eder, Autor bei edition riedenburgWasser fühlt er sich wohl wie ein Fisch. Gottlieb Eder hat landwirtschaftliche Wurzeln und sein Lebensmittelpunkt ist der Pinzgau. Dennoch zieht es ihn immer wieder in die Ferne. Besonders naturbelassene Flüsse oder weitläufige Landschaften, wie sie in der Mongolei zu finden sind, haben es ihm angetan.

 

Bücher von Gottlieb Eder

 

Wildes Reisen – Leseprobe

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