Klar bin ich von hier! Was ein schwarzer Junge in Deutschland erlebt (Kinder- und Jugendbuch)

Autorin: Sabine Priess; Illustrationen von Hélène Baum

Erscheinungstermin: Februar 2020
17 farbige Illustrationen; zahlreiche s/w-Illustrationen
Format: 15,5 x 22 cm
Ausstattung: Paperback
ISBN: 978-3-99082-049-0

 

 14,90 (as of 16. Februar 2020, 13:17) inkl. USt.

Produkt kaufen

ISBN eBook: 978-3-99082-050-6

€ 10,99 inkl. USt.

btn_ebook_kaufen

 

Malik ist neun Jahre alt und hat einen kenianischen Vater. Es passiert ihm immer wieder, dass wildfremde Menschen in seine lockigen Haare fassen. Manchmal ist Maliks Mama schneller und hält die neugierigen Hände fest. Oder Malik duckt sich und die Leute greifen ins Leere. Ziemlich oft wird Malik gefragt, woher er denn wirklich kommt. „Aus der Schützestraße“ lautet seine Antwort, doch das scheint vielen Menschen nicht zu genügen. Auch für sein gutes Deutsch wird er öfter mal gelobt. Das wundert Malik. Was soll er denn sonst sprechen? Klingonisch vielleicht? Nur gut, dass er seine Freunde hat. Und einen Lehrer in der Schule, der immer zu ihm hält.

Ein Kinder- und Jugendbuch zu den Themen Alltagsrassismus, Diskriminierung, Diversität, Toleranz und Mut zur Andersartigkeit. Mit Unterrichtsideen für den Einsatz als Klassenlektüre sowie zwei leckeren kenianischen Rezepten. Ab 8 Jahren. In leicht lesbarer Druckschrift.

Inhalt

Vorwort … 6

Kapitel 1: Das ist Malik … 9

Kapitel 2: Maliks Schule und der Schulweg … 19

Kapitel 3: Kater Kosmo kommt … 28

Kapitel 4: Bitte nicht in die Haare fassen! … 39

Kapitel 5: Ausflug aufs Land … 49

Kapitel 6: Was ist mutig? … 61

Kapitel 7: Sehnsucht nach Kenia … 69

Kapitel 8: Maliks Freunde – wen er retten würde … 76

Kapitel 9: Endlich zurück in Kenia … 83

Kapitel 10: Wieder zuhause  … 95

Anhang

Achtsam gegen Alltagsrassismus – Unterrichtsideen mit „Klar bin ich von hier!“ … 104

Rezepte aus Kenia … 110

Autorin und Illustratorin … 113

Kapitel 1: Das ist Malik

Obwohl es Hochsommer ist, sitzt Malik an seinem Wunschzettel für Weihnachten. Er schwitzt und stellt sich vor, wie es dann zu Weihnachten sein wird. Wenn es klirrend kalt ist, draußen Schnee liegt und unter dem Baum bergeweise Geschenke auf ihn warten. Was er sich am meisten wünscht, hat er ganz oben hingeschrieben. Nach unten hin wird es immer unwichtiger. Deshalb steht auf Platz 9 seiner Liste auch nur: Neue Flügel für das Lego-Flugzeug. Als sein Freund Matti es kürzlich von Maliks Hochbett aus landen wollte, machte es – so eine Überraschung – eine Bruchlandung, zerschellte in tausend Teile und beide Tragflächen zerbrachen. Weil Malik es Matti vorher ausdrücklich erlaubt hatte, musste der auch keine neuen Flügel kaufen. Da Malik aber ohnehin nicht mehr oft damit spielt, war es nicht ganz so schlimm und ist daher kein wichtiger Wunsch.

Maliks sehnlichster Wunsch sieht ganz anders aus. Er würde lebendig sein, seidiges Fell haben, begeistert aus dem Geschenkkarton hüpfen und sich auf Maliks Arm kuscheln. Malik, der keine Geschwister hat, wünscht sich nämlich ein Haustier. Deshalb steht Folgendes auf dem Wunschzettel:

1. Hund

2. Katze

3. Hamster oder Kaninchen

4. Schildkröte

5. Wenigstens Fische?

6. Ferngesteuerter Hubschrauber

7. Reise nach Kenia

8. Weiß nicht

9. Tragflächen für mein Lego-Flugzeug

Weil es bis Weihnachten noch so lange hin ist, kann Malik jetzt erst einmal nur von seinen Geschenken träumen. Die gibt’s leider nicht einfach so. Oder doch. Aber nur selten. Nämlich dann, wenn Oma ihm ein Päckchen schickt. Das macht sie manchmal. Drin sind dann neben einem Brief für ihn meistens noch Süßigkeiten und manchmal auch Sammelkarten. Vielleicht sollte er einfach mal nachschauen, ob heute ein Tag mit Post von Oma ist. Schnell springt Malik in den Hausflur und dann im Treppenhaus nach unten.

„MLK“ steht in großen, schwarzen Buchstaben auf dem heute leider gähnend leeren weißen Briefkasten. „Hier wohnen Sarah, Tim und MLK Mertens“. Das MLK hat Malik sich so gewünscht. Mama und Papa finden das ein wenig albern. Aber da Malik ohnehin selten Post bekommt und in ihrem Haus sonst niemand Mertens heißt, durfte er es schließlich doch so hinschreiben. Malik gefällt es gut. Irgendwie lesen kann man seinen Namen nämlich doch. Er klingt aber wie ein Geheimwort. Nur wer ihn kennt, weiß dann hundertprozentig, wer gemeint ist.

Leseprobe

Sie sind mit den Einkäufen im Bus nach Hause unterwegs, als Malik von einem älteren Herrn gefragt wird, wo er denn herkommt. „Aus dem Stadtteil Mitte“, antwortet Malik. Und dann schiebt er schnell hinterher, dass er seine genaue Adresse fremden Erwachsenen nicht verraten darf.

Der Mann lacht nachsichtig und sagt: „Du sprichst aber gut deutsch.“ Gleich danach fragt er, wo Malik denn „jetzt wirklich“ herkomme.

„Wirklich?“, fragt Malik irritiert zurück und sagt zögernd und mit fragender Stimme: „Vom Einkaufen?“

Jetzt wendet sich der Mann an Mama: „Aus welchem Land kommt er denn nun?“

Mama, die offenbar schon wusste, wohin der Mann mit seiner Frage steuert, antwortet mit einem angedeuteten Lächeln:

„Er kommt von hier. Wie Sie vermutlich. Oder wo kommen Sie so ganz genau her?“

Der Mann beantwortet Mamas Frage nicht, sondern bleibt unbeirrbar und sagt:

„Irgendwo muss er doch seine dunkle Hautfarbe herhaben?“

„Ja, natürlich“, sagt Mama, und „auf Wiedersehen.“

Sie zieht Malik an der Hand weiter nach vorne.

Dort setzen sie sich hin. Der Mann schaut noch ein paar Mal zu ihnen und liest dann weiter in seiner Zeitung.

„Warum hast du ihm nicht gesagt, dass Papa aus Kenia kommt und ich deshalb braune Haut habe?“, fragt Malik.

„Warum sollte ich?“, fragt Mama zurück. „Das geht den Mann doch gar nichts an.“

Mama erklärt, dass Malik nur dann über seine Herkunft Auskunft geben soll, wenn es sich für ihn gut anfühlt.

Unterwegs setzt Mama Malik bei seinem Freund Ben ab. Zur Begrüßung wuschelt ihm Bens Mutter durch die Haare. Malik hat gar nichts dagegen. Sie ist nämlich nett. Und genau wie Ben kennt sie ihn schon seit dem Kindergarten.

Sie spielen bei Ben im Hinterhof und es kommen noch einige Kinder dazu. Die meisten hat Malik schon öfter gesehen, weil er ja häufig hier zu Besuch ist.

Einer der Jungs ist neu.

Ben sagt, er wohne erst seit Kurzem hier.

Als sie gemeinsam auf dem Trampolin springen, fragt der neue Junge Malik, woher er denn kommt.

„Aus der Schützestraße“, sagt Malik diesmal. Der Junge ist zwar auch fremd, aber er kann ja ruhig wissen, wo Malik genau wohnt.

Auch der Junge fragt nochmal nach:

„Nein, woher wirklich?“

Malik zuckt genervt die Achseln, hüpft weiter und gibt ihm einfach keine Antwort.

Auf dem Nachhauseweg trifft Malik den Pizza-Boten, der manchmal abends bei ihnen klingelt und die absolut leckerste Pizza der Stadt bringt. Er ist auch schwarz. Sie erkennen sich sofort, lächeln sich kurz an und gehen ein kurzes Stück des Weges gemeinsam. Der Mann trägt drei Pizza-Kartons auf dem Arm und läuft mit schnellen Schritten.

„Woher kommst du eigentlich?“, wird Malik von ihm zum dritten Mal an diesem Tag gefragt. Doch zum ersten Mal fühlt es sich ok an.

„Von hier“, sagt Malik. Diesmal weiß er automatisch, dass die Schützestraße nicht die richtige Antwort ist. Denn das weiß der Pizzamann ja schließlich sowieso.

„Ich bin hier geboren. Mein Vater ist aus Kenia“, fügt er hinzu. „Ich war leider erst einmal da, da war ich fünf“, sagt Malik. „Und woher kommen Sie?“, fragt er zurück. Der Mann sagt, dass er aus Mali stamme, das sei ein Land in Westafrika. Er sei aber schon lange weg.

Malik nickt und sagt endlich einmal, was er schon immer mal sagen wollte:

„Sie sprechen aber gut Deutsch.“

Beide schauen sich an und prusten los vor Lachen.

***

Suchworte: Kinderbuch, Jugendbuch, Rassismus, Fremdenhass, Diversität, Inklusion, Multikulturalismus, multikulti, Andersartigkeit, schwarze Hautfarbe, andere Hautfarbe, Diskriminierung, Gleichbehandlung, Ausländer, Flüchtlinge, Kenia, Afrika, Afrikaner, afrikanisch, Zuwanderer, Schwarze, gemischte Herkunft, Mischlingskinder, gemischtrassiger Hintergrund, Rassen, rassistisch, Freunde, Freundschaft, Erstspracherwerb, Lesekompetenz, Konflikte, ab 8 Jahre, Schulbuch, Schullektüre, Grundschule, Volksschule, Erstleser, erstes Lesen

Sabine Priess

Sabine Priess, Jahrgang 1972, ist geboren und aufgewachsen in der Nähe von Mainz. Sie arbeitet als Redakteurin beim Rundfunk Berlin-Brandenburg und lebt mit Mann, Kind und Kater in Berlin. Sabine Priess, Autorin bei edition riedenburg„Klar bin ich von hier!“ ist ihr erstes Kinderbuch - es ist gemeinsam mit ihrem Sohn entstanden, der ostafrikanische Wurzeln hat.

Bücher von Sabine Priess

Hélène Baum

Hélène Baum, Jahrgang 1987, ist in München geboren, aber sowohl in Deutschland als auch in England und Frankreich aufgewachsen. Sie arbeitet als selbstständige Illustratorin und Grafikerin iHélène Baum, Autorin bei edition riedenburgn Berlin.

Bücher von Hélène Baum

Klar bin ich von hier! Was ein schwarzer Junge in Deutschland erlebt – Leseprobe