Trotzdem großer Bruder – Katerkind Ludlu besucht sein Sternengeschwisterchen (MIKROMAKRO)

Autorinnen: Anna-Maria Böswald, Verena Herleth

Erscheinungstermin: November 2019
Umfang: 72 Seiten
Format: 21 x 15cm
Ausstattung: Paperback, 19 farbige Illustrationen, zahlreiche s/w-Illustrationen
ISBN: 978-3-99082-028-5

 14,90 (as of 6. November 2019, 11:07) inkl. USt.

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ISBN eBook: 978-3-99082-029-2

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Katerkind Ludlu hatte sich so gefreut. Ludlu sollte nämlich ein Geschwisterchen bekommen und würde endlich großer Bruder sein – wie schön! Plötzlich jedoch ist alles anders. Mama erklärt ihm, dass das Baby gestorben ist und jetzt im Himmel bei den Sternen wohnt. So weit weg? Ludlu versteht das überhaupt nicht. Warum wollte das Geschwisterchen denn nicht bei ihm bleiben? Zu allem Überfluss sind Mama und Papa völlig verändert: Sie weinen viel und beachten Ludlu kaum noch. Die ganze Welt des Katerkindes hat sich mit einem Schlag verändert. Und als wäre die Trauer nicht schlimm genug, spricht keiner mehr davon, dass Ludlu nun ein großer Bruder ist. Darauf war er doch so stolz … Aber halt! War Ludlu wirklich kein großer Bruder mehr, bloß weil sein Geschwisterchen nun im Himmel bei den Sternen lebt? Ludlu möchte das herausfinden. Er macht sich auf die Reise und wandert los, geradewegs in den Himmel. Oben, bei den Sternen, möchte Ludlu sein verlorenes Geschwisterchen besuchen. Ob er dort die Antworten auf seine vielen Fragen findet?

Das feinfühlig illustrierte Bilderbuch gibt Geschwistertrauer einen kreativen Raum. Begleitende Anregungen für kleine und große (Vor-)Leser fördern das individuelle Verständnis von Trauer und Tod.

– Band 6 der Buchreihe MIKROMAKRO für neugierige Kinder –

Buchbeginn

Katerkind Ludlu spielt in seinem Zimmer mit den Vorhängen. Sie flattern im Wind und er versucht, sie zu erhaschen. Als er sich im dünnen Stoff verheddert, bleibt er auf dem Teppich liegen.

Ludlu schaut durch das Fenster in den Himmel hinauf. Er sucht einen ganz bestimmten Stern. Von Mama weiß er nämlich, dass sein Geschwisterchen jetzt als kleines Sternchen im Himmel lebt. Leider ist es gestorben, bevor Ludlu das erste Mal „Miau“ zu ihm sagen konnte. Dummerweise spricht jetzt auch keiner mehr davon, dass Ludlu ein großer Bruder geworden ist.

Dabei hatte sich Ludlu so sehr darauf gefreut, ein Geschwisterchen zu bekommen! Er hatte sogar schon ein Bild gemalt, auf dem die ganze Familie mit dem Katzenbaby zu sehen ist.

Normalerweise liebt Ludlu es, Bilder zu malen. Aber dieses Bild hat er vor lauter Wut nun zerknüllt und in den Papierkorb geworfen. Der kleine Kater versteht einfach nicht, warum sein Geschwisterchen so weit weg von ihm wohnt. Wäre es auf der Erde geblieben, hätte es jetzt mit ihm am Vorhang schaukeln können. Einen Vorhang bis in den Sternenhimmel? Den gibt es leider nicht. Aber vielleicht etwas anderes.

Geknickt tapst Ludlu ins Wohnzimmer. Lustlos rollt er einen Filzball vor sich her. Mama und Papa sitzen im Katzenkörbchen und weinen. Sie sehen ganz zerstrubbelt aus. Offenbar nehmen sie es mit der Pflege ihres Felles nicht mehr so genau. Ludlu erinnert sich, dass seine Eltern vor dem Tod des Babys stundenlang alle Fellhaare mit ihrer rauen Zunge geglättet haben. Auch ihm hatten sie gezeigt, wie das geht, und gesagt, wie wichtig die tägliche Abschleckerei für eine Katze ist. Jetzt aber bemerken Mama und Papa Ludlu trotz ihrer sehr guten Ohren nicht einmal.

Ludlu blickt im Zimmer umher. Überall ist Unordnung. Der Kratzbaum ist umgefallen, Spielsachen liegen auf dem Boden, Ludlus Bilder sind nicht aufgehängt und sogar das Katzengras ist vertrocknet. Ludlu verkriecht sich im Untergeschoss des Kratzbaums. Wie sehr hatte er sich auf sein Geschwisterchen gefreut! Er wollte dem Baby doch so viel beibringen und mit ihm gemeinsam spielen! Und jetzt sind alle einfach nur schrecklich traurig.

Leseprobe

Ein paarmal versucht Ludlu nun, mit den höchsten Hüpfern auf den Regenbogen zu springen. Doch er rutscht immer wieder zurück auf sein Seerosenblatt. Einmal kullert er sogar so weit nach hinten, dass er fast in den See geplumpst wäre!

Im letzten Moment klammert sich Ludlu an einer Blüte fest. „Uff! Das war knapp. So geht das nicht“, stellt er fest. Ratlos blickt Ludlu auf seine Krallen und entdeckt, dass sie von der langen Wanderung schon ganz stumpf geworden sind. „Kein Wunder, dass das mit dem Festhalten nicht klappt“, sagt er zu sich.

Ludlu überlegt und überlegt – und plötzlich kommt ihm eine Idee: Hatte er nicht das lange Seil eingepackt? Der kleine Kater kramt es aus dem Rucksack. „Hauruck!“, ruft er und wirft es mit aller Kraft über die Farben. „Es hat geklappt!“, freut er sich, als das Seil tatsächlich am Regenbogen hängenbleibt.

Mutig klettert Ludlu hinauf. Er steigt und steigt und steigt – und auf einmal ist er sehr weit oben im Wolkenhimmel.

Wie ruhig und friedlich es hier ist. Und wie herrlich weich sich die Wolken unter seinen Pfoten anfühlen!

Ein Wölkchen schaukelt, ein anderes probiert die Rutsche aus. Ludlu hört die Wölkchen lachen und singen.

Inmitten der vielen kleinen weißen Wölkchen schwebt eine besonders große, flauschige Wolke. Sie schimmert in allen erdenklichen Farben.

„Das kann nur die Regenbogenwolke sein“, überlegt Ludlu.

Ganz vorsichtig tapst er in ihre Richtung, um nicht durch die Wolkendecke zu fallen.

Einige Wölkchen später steht Ludlu vor der bunten Regenbogenwolke. „Hallo Katerchen“, begrüßt sie ihn. „Was machst du denn hier oben bei uns Wolken? Besuch von Tieren haben wir höchst selten, musst du wissen.“

„Ich bin hier, um mein Geschwisterchen zu suchen“, flüstert Ludlu etwas unsicher. „Kannst du mir vielleicht den Weg zu den Sternen zeigen?“

„Natürlich!“, antwortet die Regenbogenwolke. „Ich kenne viele Wege im Himmel, auch den zu den Sternen. Setz dich vorsichtig auf mich, ich fliege dich hin.“

„Prima!“, freut sich Ludlu und schreitet mit sanften Schritten auf den flauschig bunten Rücken der Regenbogenwolke. Der kleine Kater dreht sich dreimal im Kreis und kuschelt sich dann gemütlich in die Wolke hinein.

Weil sich Ludlu so wohl fühlt, beginnt er ziemlich laut zu schnurren. „Das kitzelt“, kichert die Regenbogenwolke und schwebt los.

Viele kleine Wolken folgen ihnen.

Langsam wird es dunkel. Wie gut, dass Ludlu seine Taschenlampe eingepackt hat! Er fischt sie aus dem Rucksack und knipst sie an.

„1, 2, 3 … 14 … 55 … 356 …“, zählt er die Wolken im Wolkenhimmel.

Irgendwann fallen ihm vom Zählen die Augen zu und er schläft ein.

„Endstation, wir sind angekommen!“, ruft die Regenbogenwolke und reißt Ludlu aus seinem Schlaf.

Der kleine Kater ist mit einem Mal hellwach. Er streckt sich nach Katzenart und blickt geradewegs in den Sternenhimmel hinein. „Unglaublich!“, schnurrt Ludlu. Überall funkelt, leuchtet und glitzert es. „Wie schön es hier ist! Endlich bin ich bei den Sternen. Jippie!“, jubelt das Katerkind und macht einen Purzelbaum.

Die Regenbogenwolke und ihre weißen Wölkchenfreunde freuen sich mit Ludlu und schweben fast schwerelos zwischen den Sternen umher.

„Soll ich dich auf deinem Weg durch die Sterne begleiten?“, fragt die Regenbogenwolke. „Ich kenne mich hier gut aus.“

„Sehr gerne, das wäre oberkaterhimmlisch!“, miaut Ludlu.

Inzwischen haben die unzähligen kleinen Wolken einen watteweichen Boden für Ludlu gebaut. Vorsichtig steigt er von der Regenbogenwolke herab und probiert aus, ob die Wolkendecke wirklich hält.

Er tapst ein paar Schritte – und tatsächlich, der Wolkenhimmel trägt ihn auch im Sternenhimmel! Ludlus Pfoten tauchen zwar mit jedem Schritt etwas in den Wolkenflausch ein, doch die Wölkchen halten ihn sicher und fest.

Schon bald balanciert Ludlu federleicht auf der Wolkenstraße entlang.

Wohin soll er nun gehen? 

Wie soll er unter all den vielen Sternen sein Geschwisterchen finden?

Vorwort zum interaktiven Teil

Liebe LeserInnen, liebe Kinder, liebe Mütter und Väter,
vielen Dank, dass ihr dieses Buch gemeinsam gelesen habt.
Ich habe diese Geschichte für meinen Sohn Lean geschrieben. Er freute sich sehr darauf, auch bald ein Geschwisterchen zu bekommen und jemanden zum gemeinsamen Spielen zu haben.
Natürlich war er sehr stolz über die Bezeichnung „großer Bruder“ und die neue Rolle, die sich hinter diesem Namen verbarg. Große Brüder beschützen, trösten und kümmern sich.
Der plötzliche Verlust unserer Zwillinge Joan und Arian bedeutete für Lean daher auch den Verlust der neuen und liebgewonnenen Identität des „großen Bruders“. Lean suchte verzweifelt nach einem Schuldigen. Für ihn war es schwer nachvollziehbar, dass die Schuldfrage nicht beantwortet werden konnte.
Auch in meiner Arbeit als Ergotherapeutin bemerkte ich, dass Kinder nach einer Verlusterfahrung plötzlich auf der Suche nach ihrer Position innerhalb der Familie sind. Für sie stellt sich dann die Frage: „Wer bin ich jetzt, wenn sich meine Rolle an jemanden knüpft, den es nicht mehr gibt?“
Dass Dinge einfach passieren ohne erkennbaren Grund, ist für Kinder nur schwer zu begreifen. Hat in ihrer Welt nicht alles einen offensichtlichen Grund, einen kausalen Zusammenhang? Wenn ich die Tasse fallen lasse, geht sie kaputt. Wenn jemand stirbt, muss ihn doch jemand oder etwas „kaputt“ gemacht haben.
Das Sterben ist für Kinder ein Begriff, der nicht erklärbar scheint.
In der Erwachsenenwelt hat der Tod eine Endgültigkeit. Von Kindern wird er durch ihr verspieltes, fantasievolles Sein oft ganz anders wahrgenommen.
Kinder fragen sich vielleicht: Warum soll ich nun plötzlich nicht mehr der große Bruder oder die große Schwester sein? Warum ist mein Geschwisterchen gestorben? Wie sieht es aus? Wo ist es jetzt? Was macht es da? Können Mama, Papa und ich auch dorthin gehen?
Durch die Geschichte von Ludlu möchte ich Kinder mit ihren vielen Fragen abholen und zur kindlichen Trauerbegleitung beitragen. Erwachsene Denkmuster der Endgültigkeit des Todes sollen aufgeweicht und die Fantasie der Kinder angeregt werden.
Für Kinder beginnt hinter dem dunklen Wald und dem bunten Regenbogen ein neues Abenteuer. In fantasievollen Erzählungen ist so viel möglich. Dies kann genutzt werden, um ins Gespräch zu kommen, Ansichten auszutauschen oder einfach nur, um sich Dinge zu erträumen.
Mögen wir mit Kreativität Wege finden, Kinder in ihrer individuellen Art der Trauer zu unterstützen. Mögen wir verschiedene Ausdrucksformen der Trauer schätzen und diese nebeneinander stehen lassen. Mögen im gegenseitigen Austausch Momente der Nähe entstehen.
Die folgenden Seiten bieten Gelegenheit dazu. Hier können Kinder und Erwachsene ihren Gefühlen und Erinnerungen freien Lauf lassen und ihre ganz eigene Geschichte erzählen.

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Anna-Maria Böswald

Anna-Maria Böswald wurde 1984 geboren. Sie ist gelernte Erzieherin und Ergotherapeutin sowie ausgebildete Sternenkindbegleiterin. Nach einer Fehlgeburt und dem Tod ihrer Zwillinge Anna-Maria Böswald, Autorin bei edition riedenburgaufgrund einer Frühgeburt musste sie mit ihrer Familie neue Wege ins Leben erkunden. Manch schwierige Situationen erschwerten die Trauer, besonders für den vierjährigen Sohn, der nun nicht mehr wusste, ob er ein großer Bruder war oder das Einzelkind, als das er gesehen wurde. Langsam fand die Familie eigene Wege, auch mithilfe der Stoffkatze Ludlu, die der wichtigste Halt des verwaisten Geschwisterkindes war. Ludlu ist deshalb die Hauptfigur in dieser Geschichte.

Bücher von Anna-Maria Böswald

Verena Herleth

Verena Herleth, geboren 1980, leitet bei edition riedenburg die Buchreihe "MIKROMAKRO". Sie studierte Diplom-Sozialpädagogik. 2015 verstarb ihre Tochter Leona eine Woche vor der Geburt.  Verena Herleth, Autorin bei edition riedenburgFür "Vergebliches Warten" gestaltete Verena die Bilder für ihren damals 3-jährigen Sohn.  Möge das Buch für alle trauernden (Geschwister-)Kinder, Eltern und Familien hilfreich sein.

Das Thema „Zöliakie“ beschäftigte sie seit ihrer Schulzeit, als ihre beste Freundin an Glutenintoleranz erkrankte. Jahre später war Verena als Lehrerin tätig und vermisste ein Jugendbuch, das die Thematik aufgriff und auch als Klassenlektüre geeignet gewesen wäre. Kurzerhand griff sie zu Stift und Papier und schrieb Carinas Geschichte auf. Sie nannte ihren Jugendroman zur Zöliakie "Hey Darmzotte!".

Für Kinder ab 4 Jahre hat sie in ihrer Buchreihe "MIKROMAKRO" als Band 2 das Bilderbuch zur Zöliakie, "Hamster Henri isst glutenfrei", getextet und illustriert.

Ebenfalls für Kinder ab 4 Jahre beschäftigt sie sich im Band 3 ihrer Buchreihe "MIKROMAKRO" mit dem Thema Seelenleben nach dem Tod, und zwar im Kinderbuch "Cato, der Seelenträger".

Band 4 von MIKROMAKRO nimmt das - nicht immer ganz einfache - Lernen unter die Lupe, und zwar im humorvollen Buch "Hilli legt ihr erstes Ei".

Band 5 behandelt in "Die roten Fünf" Nahrungsmittelallergien bei Kindern.

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